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  • Wie man gute Pubquizfragen baut – oder: Im Zweifel Kanada

    Wie man gute Pubquizfragen baut – oder: Im Zweifel Kanada

    Ein gutes Pubquiz zu bauen ist deutlich schwieriger, als es auf den ersten Blick aussieht.

    Das klingt erstmal komisch, weil Fragen stellen ja nun wirklich jeder kann. “Was ist die Hauptstadt von Frankreich?”, “Wer sang Bohemian Rhapsody?”, “Wie viele Beine hat eine Spinne?” und fertig ist die Laube.

    Nun.

    Leider nein.

    Ein Pubquiz ist kein Einstellungstest, keine Abiturprüfung, kein Kneipen-Trivial-Pursuit und auch kein Versuch, den Raum davon zu überzeugen, dass man selbst im Wikipedia-Kaninchenbau besonders tief graben kann. Ein gutes Pubquiz ist im Idealfall ein Abend, an dem sehr unterschiedliche Menschen gemeinsam rätseln, diskutieren, sich kurz sicher sind, dann wieder unsicher werden, am Ende doch die erste Idee nehmen und anschließend entweder triumphieren oder leise fluchen.

    Und genau da wird es schwierig.

    Denn ein Quiz muss balanciert sein.

    Bei einem Quiz mit 50 Punkten sollte genug Diversifizierung drin sein, damit nicht nach Runde zwei klar ist, welches Team gewinnt. Es braucht Popkultur, Geschichte, Geographie, Musik, Sport, Wissenschaft, Alltag, vielleicht ein bisschen Lokalkolorit und idealerweise ein paar Fragen, bei denen man nicht einfach Wissen abruft, sondern gemeinsam herleitet.

    Gleichzeitig darf man Einsteiger nicht direkt verlieren.

    Wenn die ersten fünf Fragen so gebaut sind, dass nur Menschen mit einem Nebenfach in byzantinischer Münzprägung überhaupt eine Chance haben, dann ist das vielleicht intellektuell befriedigend für den Fragenersteller, aber kein guter Abend für den Raum.

    Die Kunst liegt darin, Fragen zu bauen, bei denen Teams zumindest das Gefühl haben, sie könnten drauf kommen.

    Das ist ein großer Unterschied.

    Eine gute Frage ist nicht zwingend leicht. Eine gute Frage gibt aber Anknüpfungspunkte. Man erkennt vielleicht ein Jahrzehnt, ein Land, eine Wortherkunft, eine Melodie, einen Schauspieler, ein Logo, einen Zusammenhang. Dann beginnt dieses schöne Pubquiz-Gemurmel am Tisch:

    “Warte, das war doch Kanada, oder?”
    “Nein, Kanada war das andere.”
    “Bist Du sicher?”
    “Nein.”
    “Dann nehmen wir Kanada.”

    Und manchmal ist das sogar richtig.

    Im Zweifel ist die Antwort nämlich Kanada.

    Nicht immer natürlich. Aber erstaunlich oft genug, dass man daraus eine Regel machen möchte.

    Was man bei Quizfragen vermeiden sollte: reine Binär-Abfragen ohne Spaß. “In welchem Jahr wurde exakt X gegründet?” ist meistens keine gute Frage, wenn das Jahr nicht irgendwie herleitbar oder kulturell verankert ist. 1871? 1949? 1969? Alles kann alles sein. Das ist dann kein Rätseln, sondern Datums-Lotto.

    Besser ist: eine Frage so bauen, dass die Antwort zwar konkret ist, der Weg dahin aber über gemeinsames Denken führt.

    Also nicht:

    “In welchem Jahr wurde Kanada gegründet?”

    Sondern eher:

    “Welches heutige G7-Land entstand 1867 durch den British North America Act als Dominion?”

    Das ist immer noch nicht geschenkt. Aber es hat Haken. G7. British. North America. Dominion. Man kann arbeiten.

    Ein anderes Problem: Fragen, die nur für eine bestimmte Altersgruppe funktionieren. Wenn jede Musikfrage aus den 90ern kommt, freuen sich Menschen meines Alters, aber der Rest schaut irgendwann so, wie ich schaue, wenn jemand aktuelle TikTok-Sounds abfragt. Umgekehrt funktioniert es natürlich genauso.

    Ein gutes Quiz braucht daher Streuung.

    Nicht nur thematisch, sondern auch generationell. Eine 20-jährige Person sollte Punkte holen können. Eine 50-jährige Person auch. Das Team mit Sportnerd soll einen Moment haben, das Team mit Literaturmensch ebenfalls. Und irgendwo muss es eine Frage geben, bei der alle am Tisch “ach komm, das weiß doch jeder” sagen und dann drei verschiedene Antworten aufschreiben.

    Wichtig ist auch die Dramaturgie.

    Man sollte nicht mit den härtesten Fragen starten. Die ersten Punkte müssen einladend sein. Teams sollen reinkommen, sich sortieren, erste Erfolgserlebnisse haben. Danach darf es schwerer werden. Ein Quizabend verträgt ein paar richtige Brecher, aber nicht 50 davon.

    Ich mag Fragen, die auf den ersten Blick leicht wirken und dann eine kleine Drehung haben. Oder solche, bei denen die intuitive Antwort tatsächlich die richtige ist.

    Das ist überhaupt eine der schönsten Pubquiz-Beobachtungen: Die erste Antwort ist oft die beste.

    Nicht immer. Aber oft.

    Teams reden sich regelmäßig aus richtigen Antworten heraus. Da steht nach zehn Sekunden das Richtige auf dem Zettel, dann kommen Zweifel, dann kommt jemand mit gefährlichem Halbwissen, dann wird umgeschrieben, und am Ende ist es falsch.

    Das gehört dazu. Das ist sogar Teil des Spiels.

    Ein guter Quizmaster baut Fragen so, dass dieser Moment entstehen kann, ohne unfair zu sein. Nicht durch Trickserei, nicht durch “haha, reingelegt”, sondern durch saubere Formulierung und plausible Distraktoren im Kopf der Teams.

    Am Ende ist ein gutes Pubquiz kein Wissenstest, sondern ein sozialer Mechanismus mit Bierbegleitung.

    Es muss genug einfache Punkte geben, damit neue Teams wiederkommen.

    Es muss genug schwere Punkte geben, damit gute Teams sich anstrengen müssen.

    Es muss genug Vielfalt geben, damit niemand den ganzen Abend nur Deko ist.

    Und es muss mindestens eine Frage geben, bei der man später sagt:

    “Verdammt. Ich wollte Kanada nehmen.”

    Heiter weiter!

    C.

  • It’s been a while. Again.

    Latest News Subscribe Update

    Nach gefühlten drölf Jahren gibt es mal wieder neuen Content auf diesem Internettagebuch.

    Warum?

    Nun.

    Unter anderem, weil der Küchenserver noch da ist. Was an sich schon bemerkenswert ist, denn Dinge im Internet haben ja inzwischen oft eine Halbwertszeit irgendwo zwischen “Startup wurde acqui-hired” und “wir haben unsere API leider eingestellt”.

    Dieses Blog hingegen steht noch. Es hat Umzüge, PHP-Versionen, WordPress-Updates, kaputte Plugins, Themewechsel und diverse Phasen meines Lebens überlebt. Also eigentlich alles, was man einem privaten Blog so zumuten kann.

    Und vielleicht ist genau das gerade wieder charmant.

    Nicht jeder Gedanke muss in eine Timeline, nicht jede Beobachtung braucht einen Algorithmus, nicht jeder kleine technische Fund muss in irgendeinem Slack verschwinden, wo ihn drei Tage später niemand mehr findet. Manchmal reicht auch ein Blogpost. Eine URL. Ein Datum. Fertig.

    Ob das hier jetzt wieder regelmäßig passiert?

    Keine Ahnung.

    Ich nehme mir ausdrücklich nicht vor, ab jetzt wieder wöchentlich zu bloggen, weil solche Vorsätze ungefähr so zuverlässig sind wie Drucker unter Windows, Faxsoftware im Jahr 2020 oder “nur mal eben” ein Docker-Compose-File anzupassen.

    Aber ein paar Dinge gäbe es schon aufzuschreiben.

    Über Technik, die still funktionieren darf. Über Selfhosting und die Frage, ab wann Hobby in Infrastruktur übergeht. Über Backups, bei denen Restore der einzige Teil ist, der zählt. Über Reisen, Hamburg, Alltag, Automatisierung, vielleicht auch darüber, warum gute Pubquizfragen schwieriger sind als schlechte Architekturdiagramme.

    Also: mal sehen.

    Der Küchenserver steht noch.

    Heiter weiter!

    C.

  • nginx zur verzögerten Auslieferung von Webhinhalten nutzen

    nginx zur verzögerten Auslieferung von Webhinhalten nutzen

    Oder: Wie ich lernte nginx zu lieben.

    Irgendwie will doch jedermann, dass Webseiten schnell laden. Wir investieren viel Zeit und Energie darin, dies möglich zu machen.
    Webseiten, oder einzelne Dateien, bewusst in der Auslieferung zu verzögern hingegen, das ist etwas, was ab und an nützlich ist, aber ein 08/15 Anwendungsfall.
    Entsprechend ist es auch nicht so einfach, das “how to” dafür zu finden: Ich ging geistig schon meine PHP Kenntnisse durch und plante, Inhalte per PHP von Platte zu lesen, um sie dann nach einem delay im PHP-Skript verzögert ausliefern zu lassen.
    Dank nginx geht’s jedoch auch einfach. Nginx, genauer das echo Modul, unterstützt von Haus aus die Verzögerung.
    Folgende Konfiguration hat hier sehr geholfen:

    # Static files
    location /delay {
        echo_sleep 5;
        echo_exec @default;
    }
    location @default {}

    Hier werden Inhalte im Unterverzeichnis erst nach fünf Sekunden ausgeliefert.
    Gerne klauen und bei Bedarf anpassen!

  • Fritz!Fax unter Windows 10 installieren

    Fritz!Fax unter Windows 10 installieren

    Ich habe vor gefühlten 18 Monaten mal wieder meinen Windows Desktop neu aufgesetzt. Das an sich ist kein Blogpost wert, das passiert ab und an mal.

    Jedoch ergab sich heute dann die Notwendigkeit, mal wieder ein Fax zu versenden; Finanzamt, DiesDas, ihr wisst schon.

    Ich hätte natürlich den Weg des geringsten Widerstands gehen können und das Fax via Sipgate Webinterface versenden können, aber irgendwie fand ich das doof. Warum soll ich als stolzer Inhaber einer Telefonflatrate für Telefongebühren zusätzliches Geld bezahlen. Moment, da war doch dieses deutsche Routerprodukt, welches ich nutze, meine FritzBox. Und, früher konnte man damit doch auch faxen?

    Es wäre doch gelacht, wenn ich als Diplom-Informatiker (FH) Fachrichtung Telekommunikation nicht diese Kleinigkeit von Faxversand in diesem doch ja eher kundenfreundlichen Produkt aktiviert bekäme…… müsste ja schon mit dem Teufel zugehen, ich sollte vielleicht erwägen mein Diplom zurückzugeben, wenn das nicht klappt….

    …..

    Zwei Stunden später:

    Ich habe mein Diplomzeugnis bereits in einem A4 Umschlag, addressiert an de FH Bonn-Rhein-Sieg zwischengelagert, aber wollte die Schmach doch irgendwie nicht so ganz hinnehmen.

    Drei Stunden später:

    Tut.

    Und, da offenbar viele Menschen damit Schwierigkeiten haben, möchte ich hier kurz das “wie” dokumentieren.

    Das grobe Vorgehen ist hier beschrieben:
    https://it-fvb.de/avm-fritzfax-auf-windows-10-mit-ip-anschluss-installieren-und-faxe-vom-pc-aus-versenden.html

    Zunächst lädt man sich das Fritz!Fax Programm von AVM herunter. Die Version zum Download ist 3.07.04, jedoch tut das prinzipiell herzlich wenig zur Sache.

    Danach extrahiert man das Setup und startet es und es passiert… nichts.

    Jedoch sollte man hier einen entscheidenden Trick anwenden: eine Stunde warten könnte klappen, könnte jedoch auch nicht klappen. Es scheint jedoch so zu sein, als würden andere Prozesse die Installation temporär auf Eis legen. Daher half der folgende Rat extrem gut:

    “Die gute Nachricht ist, ich habe FritzFax soeben nach zahlreichen Versuchen unter Windows 10 zum Laufen gebracht.
    Ich weiß nur nicht, ob ich das Vorgehen exakt rekapitulieren kann.
    Also:
    1. Als erstes habe ich die Firewall unter Windows 10 komplett deaktiviert.
    2. Dann habe ich FRITZ_fax_3.07.04.exe im Kompatibilitätsmodus (XP3) gestartet.
    Folge: Kurze Aktivität, dann Stillstand
    3. Habe dann den Task-Manager aufgerufen (Strg+Alt+Entf) und dort unter dem Reiter “Details” geschaut.
    4. Rechtsclick auf FRITZ_fax_3.07.04.exe auf “Warteschlange analysieren” ergab, dass das PRG auf “Setup.Exe” wartet.
    4. Rechtsclick auf Setup.exe auf “Warteschlange analysieren” ergab, dass das PRG auf “SpeechRuntime.Exe” o.ä wartet. (Den genauen Namen des PRG kann ich leider nicht mehr reproduzieren).
    5. Nach Beendigung dieses PRG (SpeechRuntime.Exe o.ä) lief das Setup komplett ohne jedes weitere Meckern durch.
    Ich konnte es kaum glauben.
    Läuft! Fax erfolgreich versandt!”

    https://www.ip-phone-forum.de/threads/fritzfax-und-windows-10.280320/post-2107980

    Auf meinem Rechner befindet sich sowohl Adobe Creative Cloud als auch Nvidia Grafiktreiber. Keine Ahnung, ob das nun besonders gut oder schlecht ist, jedoch führte das zu einer Art Deadlock des Installers. Ich musste also wie unter dem Link oben beschrieben, die Warteschlange des setup.exe Prozesses anschauen, und stellte fest, dass hier zunächst ein Nvidia Prozess und anschließend diverse andere Applikationen (Allen voran Adobe CEF) meine Installation ausbremsten. Nachdem ich diese Prozesse hybrisartig brav gestoppt hatte, lief die Installation nun im Schneckentempo an.

    Am Ende wurde mir noch die Option gegeben CAPIoverTCP zu aktivieren, was ich aber vercheckt habe. Hier half dann der Telefoncode, der in der Anleitung von IT Solutions ganz gut beschrieben ist:

    Damit die Software Faxe verschicken kann, muss CAPI auf der Fritzbox aktiviert werden. Dazu brauchen wir jetzt ein Telefon welches direkt an die Fritz!Box angeschlossen ist damit wir folgende Befehle eingeben können:

    CAPI erstmal ausschalten (immer empfohlen, dies zuerst durchzuführen, auch wenn es schon mal aktiviert wurde):

    #96*2*

    und Anrufen drücken. Auf dem Display sollte „CAPIoTCP aus“ erscheinen. Wenn danach noch „Ungültige Nummer“ erscheint, kann man diese Warnmeldung auf dem Telefon ignorieren.

    CAPI einschalten:

    #96*3*

    und Anrufen drücken. Auf dem Display sollte „CAPIoTCP ein“ erscheinen. Wenn danach noch „Ungültige Nummer“ erscheint, kann man diese Warnmeldung auf dem Telefon ignorieren.

    Im Anschluss startet man nun Fritz!Fax und stellt fest, dass die Software nach einem CAPI 2.0 Treiber verlangt. Das einfach mal großflächig ignorieren, ist jedoch vermutlich ein Symptom für die letzte Änderung, die ich vornehmen musste: die Registry Keys waren nicht sauber gesetzt.

    Pfad: [HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Wow6432Node\AVM\AVMIGDCTRL]
    ZEICHENFOLGE: „FoundFritzBoxes“=“XXX.XXX.XXX.XXX“.   < Hier gehört die IP-Adresse Ihrer FRITZ!Box hin.

    Pfad: [HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Wow6432Node\AVM\CAPIoTCP]
    DWORD: „Port“=000013a7

    https://edvtraining.wordpress.com/2013/12/07/fritzfax-common-isdn-api-ver-2-0-nicht-installiert/

    Nachdem dann auch diese Einstellung vorgenommen war, startete Fritz!Fax sauber und ich war in der Lage, ein Fax aus Word heraus zu verschicken. Adobe Acrobat zickt gerade noch rum, ich schiebe das jedoch darauf, dass ich beherzt zu viele Adobe Prozesse gekillt habe. Nichts, was ein Reboot nicht heilen kann.

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